Healthcare-IT-Lexikon
Die zentralen Begriffe der Praxis-IT, kurz und neutral erklärt: von der Telematikinfrastruktur über KIM, ePA und E-Rezept bis zu KBV, PVS und MVZ. Jeder Eintrag verweist auf seine offizielle Quelle.
Alle Definitionen sind gegen die Primärquellen von gematik, KBV und Gesetzestexten geprüft (zuletzt am ) und verlinkt. Maßgeblich bleibt im Zweifel die jeweils verlinkte Originalquelle.
Das Lexikon hält die Begriffe fest, die im Praxisalltag immer wieder auftauchen — in TI-Störungen, bei der KBV-IT-Sicherheit oder beim Praxissoftware-Wechsel. Die Definitionen beschränken sich auf das, was ein Begriff bezeichnet; Fristen und Sanktionen führt der Fristen-Radar.
D
- DSGVO in der Arztpraxis
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regelt EU-weit die Verarbeitung personenbezogener Daten. In der Arztpraxis betrifft sie vor allem Gesundheitsdaten, die als besondere Kategorie personenbezogener Daten unter erhöhtem Schutz stehen.
Quelle: EUR-Lex (DSGVO)
E
- E-Rezept
Das E-Rezept ist die digitale ärztliche Verordnung. Die Verschreibung wird elektronisch signiert und über die Telematikinfrastruktur bereitgestellt; eingelöst wird sie in der Apotheke per App, elektronischer Gesundheitskarte oder Papierausdruck.
Quelle: gematik- Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ist die digitale Form der Krankschreibung. Die Praxis übermittelt sie über den TI-Dienst KIM an die Krankenkasse der oder des Versicherten.
Quelle: KBV- Elektronische Gesundheitskarte (eGK)
Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ist der Versicherungsnachweis der gesetzlich Krankenversicherten. In der Praxis dient sie am Kartenterminal zum Einlesen der Versichertenstammdaten und als Zugang zu TI-Anwendungen wie der ePA.
Quelle: gematik- Elektronische Patientenakte (ePA)
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist eine versichertenbezogene digitale Akte für Befunde, Diagnosen, Medikationsdaten und weitere Gesundheitsinformationen. Seit Januar 2025 legen die Krankenkassen sie automatisch für alle gesetzlich Versicherten an, sofern diese nicht widersprechen (Opt-out).
Praxen erhalten im Behandlungskontext — mit dem Stecken der elektronischen Gesundheitskarte — standardmäßig Zugriff, ohne dass die Versicherten ihn einzeln freigeben müssen. Versicherte können der Anlage der Akte insgesamt, dem Zugriff einzelner Einrichtungen und dem Einstellen einzelner Inhalte widersprechen sowie Zugriffe über die ePA-App ihrer Krankenkasse steuern.
Quelle: gematik- Elektronischer Arztbrief (eArztbrief)
Der elektronische Arztbrief (eArztbrief) ist die digitale, signierte Form des ärztlichen Befund- und Entlassbriefs. Er wird in der Regel über den KIM-Dienst der Telematikinfrastruktur zwischen den Behandelnden ausgetauscht.
Quelle: gematik
G
- gematik
Die gematik ist die nationale Agentur für digitale Medizin. Sie entwickelt, betreibt und reguliert die Telematikinfrastruktur und legt die technischen Spezifikationen und Zulassungen für deren Komponenten fest.
Quelle: gematik
H
- Hausarztzentrierte Versorgung (HzV)
Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) ist ein Versorgungsmodell nach § 73b SGB V. Versicherte schreiben sich freiwillig für eine koordinierende Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle ein; teilnehmende Praxen rechnen über gesonderte HzV-Verträge ab.
Quelle: § 73b SGB V
K
- KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung)
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist die Dachorganisation der Kassenärztlichen Vereinigungen und vertritt die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten. Sie macht unter anderem Vorgaben zur IT-Sicherheit in der Praxis und zur Zertifizierung von Praxissoftware.
Quelle: KBV- KIM (Kommunikation im Medizinwesen)
KIM (Kommunikation im Medizinwesen) ist der gesicherte E-Mail-Dienst der Telematikinfrastruktur. Über ihn tauschen Praxen, Kliniken und weitere Leistungserbringer Dokumente wie den eArztbrief oder die eAU Ende-zu-Ende-verschlüsselt aus.
Quelle: gematik- Konnektor / TI-Gateway
Der Konnektor ist die Hardware-Komponente, die eine Praxis an die Telematikinfrastruktur anbindet. Er stellt die gesicherte Verbindung her und koppelt Kartenterminals und Praxissoftware an die TI-Dienste.
Das TI-Gateway ist der zentral in zertifizierten Rechenzentren betriebene TI-Zugang auf Basis des Highspeed-Konnektors (HSK). Es ist seit August 2024 gematik-zugelassen, wird von mehreren Anbietern im Regelbetrieb angeboten und ersetzt zunehmend die lokale Konnektor-Hardware. Ob ein vorhandener Konnektor weiterläuft, hängt vom Modell ab: ECC-fähige Geräte erhalten eine verlängerte Laufzeit, ältere RSA-only-Geräte mussten ersetzt werden.
Quelle: gematik
M
- Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)
Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist eine ärztlich geleitete Einrichtung nach § 95 SGB V. Dort sind mehrere Ärztinnen und Ärzte — häufig verschiedener Fachrichtungen — gemeinsam in der vertragsärztlichen Versorgung tätig.
Quelle: § 95 SGB V
P
- Praxisverwaltungssystem (PVS)
Ein Praxisverwaltungssystem (PVS) ist die zentrale Software einer Arztpraxis. Es bündelt Terminplanung, Patientendokumentation, Abrechnung und die Anbindung an die Telematikinfrastruktur. MEDICAL OFFICE ist ein Beispiel für ein solches System.
Quelle: KBV
T
- Telematikinfrastruktur (TI)
Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das besonders gesicherte Netz des deutschen Gesundheitswesens. Sie verbindet Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen, damit medizinische Daten gesichert ausgetauscht werden können.
Über die TI laufen Anwendungen wie das E-Rezept, die elektronische Patientenakte (ePA), die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und der Nachrichtendienst KIM; Versicherte greifen auf einzelne Anwendungen zunehmend auch per App über das Internet zu. Die technischen Vorgaben und Zulassungen legt die gematik fest.
Quelle: gematik
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