Praxissoftware vergleichen: die Kriterien, die wirklich zählen
Inhalt
Wer Praxissoftware vergleicht, steht schnell vor Funktionslisten, die sich kaum unterscheiden lassen. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Funktion genannt wird, sondern wie sie im konkreten Praxisablauf arbeitet, welche Edition oder welches Modul sie voraussetzt und wer bei einer Störung zuständig ist. Diese zehn Kriterien machen den Vergleich nachvollziehbar.
Funktionen vergleichen reicht nicht
Ein Häkchen auf einer Funktionsliste sagt wenig darüber, wie viele Klicks die Funktion im Alltag kostet. Vergleichen Sie deshalb nicht Listen, sondern Abläufe: Nehmen Sie einen typischen Behandlungsfall, einen Quartalsabschluss und einen TI-Vorgang Ihrer Fachrichtung und lassen Sie sich diese Schritte in einer Live-Demo zeigen. Die folgenden Kriterien helfen, den Vergleich nachvollziehbar zu führen.
Die Kriterien im Überblick
- Abrechnung ohne Medienbruch: Laufen KV- und EBM-Abrechnung, Privatliquidation nach GOÄ, BG-Fälle und HzV in einem System, oder braucht es für einzelne Abrechnungswege Zusatzprogramme? Jeder Medienbruch kostet Zeit und erzeugt Fehlerquellen.
- TI-Pflichtanwendungen und Nachweise: Unterstützt das System eRezept, eAU, KIM und ePA, und kommen die erforderlichen technischen Nachweise bei der KV an? Die ePA gehört seit dem 1. Oktober 2025 in den Praxisbetrieb. Die einprozentige Kürzung nach § 341 Abs. 6 SGB V knüpft an den fehlenden Nachweis der erforderlichen ePA-Komponenten und Dienste an, nicht pauschal an jeden einzelnen Upload.
- Umfang der Datenübernahme: Welche Stammdaten, Karteieinträge, Abrechnungsdaten und Dokumente können aus Ihrem bisherigen PVS übernommen werden? Lassen Sie sich erklären, wo Abweichungen möglich sind.
- Fachmodul-Tiefe für Ihre Fachrichtung: Deckt das System die Besonderheiten Ihrer Fachrichtung ab, oder bleibt es beim allgemeinen Funktionsumfang? Fachmodule sollten fachrichtungsabhängig zubuchbar sein, damit Sie nicht für Funktionen zahlen, die Sie nicht brauchen.
- Schulung am eigenen Ablauf: Wird Ihr Team an einem Standard-Lehrplan geschult oder am tatsächlichen Praxisablauf im eigenen System? Eine Einarbeitung an den eigenen Vorgängen kann die Umstellung erleichtern.
- Support-Erreichbarkeit: Wer geht ans Telefon, wenn am Montagmorgen die Abrechnung hakt, und wie schnell? Ein fester Ansprechpartner mit kurzer Rückrufzeit ist im Ernstfall mehr wert als eine lange Funktionsliste.
- Standortvernetzung und MVZ-Fähigkeit: Lässt sich das System über mehrere Standorte hinweg mit zentraler Datenpflege betreiben? Für MVZ und wachsende Einrichtungen zählt, ob Standorte sauber per VPN vernetzt und in Terminalserver- oder Citrix-Umgebungen betrieben werden können.
- Betriebsmodell und TI-Architektur: Läuft die TI über einen lokalen Konnektor oder cloudbasiert über einen zentral betriebenen Gateway-Dienst? RSA-only-Konnektoren sind seit dem 1. Januar 2026 ohne TI-Zugang; für RSA-SMC-B und RSA-eHBA endete die Austauschfrist am 30. Juni 2026. Prüfen Sie Konnektor und Karten deshalb getrennt.
- Wirtschaftliche Transparenz: Sehen Sie Umsatzentwicklung und Leistungsverteilung auf einen Blick, oder müssen Sie die Zahlen mühsam zusammentragen? Ein Dashboard und eine Schnittstelle zu Auswertungswerkzeugen machen Controlling alltagstauglich.
- Preismodell und Kostentransparenz: Ist klar, was monatlich je Arbeitsplatz und je Modul anfällt und was einmalig für die Datenübernahme? Versteckte Posten zeigen sich oft erst nach Vertragsschluss.
Was bei MEDICAL OFFICE konkret zu prüfen ist
Der Funktionsumfang von MEDICAL OFFICE hängt von Edition und gebuchten Modulen ab. Professional unterstützt Kassen- und Privatabrechnung, BG-Funktionen beginnen mit Professional, HzV- und Selektivverträge benötigen das entsprechende Zusatzmodul. eRezept, eAU, KIM und ePA werden entlang der gewählten TI-Konfiguration eingerichtet. Die TI-Anbindung kann je nach Umgebung und Vertrag über einen Konnektor oder ein cloudbasiertes TI-Gateway erfolgen; beim TI-Gateway entfällt der stationäre Konnektor in der Praxis. Welche Daten aus dem bisherigen PVS übernommen werden können, hängt vom Quellsystem und Datenbestand ab.
Für mehrere Standorte sind zwei unterschiedliche Modelle zu planen: zentraler Zugriff über Terminalserver oder Citrix sowie Exchange, das Daten zwischen eigenen Standortservern synchronisiert. Beim zentralen Terminalserver-Betrieb ist kein Exchange-Modul erforderlich. Für große Einrichtungen gibt es MEDICAL OFFICE Enterprise. Das Arzt-Dashboard zeigt Umsatzentwicklung und Leistungsverteilung, die Daten lassen sich über die BI-Schnittstelle ins Controlling übergeben. Für Onlinebuchungen kann TerMed freigegebene Termine und bereits belegte Zeiten mit MEDICAL OFFICE synchronisieren. MEDICAL OFFICE Light für Privatarztpraxen kostet 59,00 Euro im Monat, MEDICAL OFFICE Professional 109,00 Euro im Monat. MEDICAL OFFICE Enterprise wird auf Anfrage kalkuliert. Ein Arbeitsplatz ist jeweils enthalten, jede weitere Lizenz kostet 20,00 Euro im Monat; alle Preise verstehen sich netto zuzüglich Mehrwertsteuer.
Wie vergleichen Sie MEDICAL OFFICE konkret?
Gehen Sie den Vergleich nicht über Funktionslisten an, sondern über Ihre täglichen Abläufe. In einer persönlichen Live-Demo sehen Sie MEDICAL OFFICE von der Anmeldung bis zur Abrechnung und können die Funktionen Ihrer Fachrichtung direkt prüfen. Die Live-Demo ist kostenlos und unverbindlich.
Häufige Fragen
Worauf sollte ich beim Praxissoftware-Vergleich zuerst achten?
Auf die Abläufe, die täglich anfallen: Läuft die Abrechnung von KV bis Privat in einem System ohne Medienbruch, und sind die TI-Pflichtanwendungen eRezept, eAU, KIM und ePA im Behandlungsweg eingebunden? Erst danach lohnt der Blick auf Datenübernahme, Fachmodule und Support-Erreichbarkeit.
Zählen bei Arztsoftware die Funktionen oder die Begleitung mehr?
Beides muss geprüft werden. Funktionen unterscheiden sich nach Edition, Modulen und Arbeitsweg. Zusätzlich zählen Datenübernahme, Schulung, Zuständigkeiten und Support. Bewerten Sie diese Punkte am tatsächlichen Praxisablauf statt nur an einer Funktionsliste.
Was kostet der Umstieg auf eine neue Praxissoftware?
Laufend hängt es von der Edition ab: MEDICAL OFFICE Light 59,00 Euro, MEDICAL OFFICE Professional 109,00 Euro im Monat, MEDICAL OFFICE Enterprise auf Anfrage; ein Arbeitsplatz ist inklusive, jede weitere Lizenz 20,00 Euro im Monat. Die Datenübernahme wird als separate Dienstleistung angeboten. Alle Preise netto zzgl. MwSt., die genaue Zusammenstellung ergibt der Preisrechner.
Kostenlose Checkliste (PDF)
Der PVS-Wechsel in 15 Punkten
Die Checkliste führt durch alle drei Phasen des Wechsels: von der Vertragsprüfung bis zur ersten Abrechnung im neuen System. Per E-Mail, zum Abhaken.